Das Dottern
Sie kamen zu Bufis Haus, das schon von außen anders aussah, als man es normalerweise von einem Haus erwarten würde. Es war rund wie eine Kugel, die zur Hälfte in der Erde steckte, und hatte vier Türen – in jede Himmelsrichtung eine –, und jede hatte eine andere Farbe: gelb, rot, schwarz, weiß.
Man konnte bei der gelben Türe klopfen und sicher sein, dass Bufi dann gelbe Kleider tragen würde, wenn er die Türe öffnete.
Wenn man aber kurz darauf an der roten Türe klopfte, öffnete Bufi und trug rote Kleidung! Wie er das machte, wusste niemand, denn er hatte offensichtlich nicht genug Zeit, um sich umzuziehen.
»Ich bin es nicht, ihr seid es«, antwortete Bufi, wenn man ihn fragte, warum das mit den Türen und Kleidern so sei. Doch seine Antwort war nicht gerade hilfreich.
Als nun Yinba und Fringel zu Bufis Haus kamen, beschlossen sie, an die weiße Türe zu klopfen.
Also klopften sie und warteten.
Und warteten.
Und warteten.
Da beschlossen sie, noch einmal zu klopfen, also klopften sie.
Sie hatten noch nicht lange wieder geklopft und wieder gewartet, als sie drinnen einen lauten Knall hörten, dann einen Schrei, und kurz darauf öffnete sich die weiße Türe.
Heraus kam weißer Rauch, und aus dem Rauch heraus kam schließlich hustend und fluchend ein nicht ganz so weißer Bufi, ein kleiner, kugelrunder Kerl mit leuchtenden Augen.
»Nanu, Bufi, was ist denn mit dir los?«, fragte Fringel verwundert. »Du bist ja gar nicht so weiß, wie du sonst immer bist, wenn wir an die weiße Türe klopfen. Sowas!«
»Eher wie ein Spiegelei siehst du aus, du hast dir nicht gerade etwas zu essen gemacht?«, fragte Yinba und versuchte, an Bufi, dessen weiße Kleider voll gelber Flecken waren, vorbei ins Haus zu spähen.
»Ha!«, sagte Bufi. »Wie ein Spiegelei, sehr treffend! Ich bin gerade dabei, meine neueste Erfindung auszuprobieren.«
»Was für eine Erfindung denn?«, fragte Fringel neugierig.
Bufi erhob seinen Zeigefinger, stieß damit ein paar Löcher in die Luft und sagte bedeutungsvoll: »Dottern!«
»Dottern?«, fragten Yinba und Fringel wie aus einem Mund.
»Dottern!«, wiederholte Bufi und schaute Yinba und Fringel mit großen Augen an.
Yinba und Fringel tauschten fragende Blicke aus.
Bufi seufzte. »Ihr versteht wieder mal nichts, meine Lieben, nicht wahr, ist es nicht so? Ach, was seid ihr für zwei nette Kerle, die nettesten weit und breit, aber von Dottern und solchen Sachen versteht ihr nichts! Ihr wisst nicht, was Dottern ist. Die Frage ist nicht, ob ihr es wisst oder nicht, die Frage ist vielmehr:«, und er machte eine Pause, in der er die beiden ernst ansah und die Augen etwas zusammenkniff, »wisst ihr es noch nicht, oder«, und er machte wieder eine ernste Blickpause, »wisst ihr es nicht mehr. Diese Frage stellt sich in der Tat sehr oft. Nun gut«, sagte er, »ich will es euch erklären, schließlich sind wir Freunde, nicht wahr? Also«, – er machte eine lange Pause, in der er nach den richtigen Worten zu suchen schien und in der er etwas größer wurde –, »ich arbeite gerade an einer bahnbrechenden Erfindung, und zwar arbeite ich daran, dem Ei das Dottern beizubringen!« Um die Bedeutung seiner Worte zu unterstreichen, stieß er noch einmal mit dem Zeigefinger ein paar Löcher in die Luft und schaute dann seine beiden Freunde erwartungsvoll an.
»Ach!«, sagte Yinba nach einer Weile, weil er das Gefühl hatte, es wäre besser, jetzt etwas zu sagen.
»Sowas!«, stimmte Fringel ein.
»Jawohl!«, sagte Bufi. »Das Dottern.«
»Und … und wie dottert es sich denn so, als Ei?«, fragte Yinba vorsichtig.
»Das muss ich ja zuerst noch erfinden!«
»Ah.« Diesmal war es Fringel, der versuchte, etwas Hilfreiches zu sagen.
»Und … es … dottert noch nicht ganz so, wie es sollte?«, fragte Yinba.
»Noch nicht! Gar noch nicht ganz. Aber das wird schon werden. Bis jetzt hat bei mir noch jede Erfindung hingehauen«, sagte Bufi.
Was stimmte. Yinba erinnerte sich noch gut an den explodierten Sternenkocher oder an die Wirmelmaschine und all die anderen nützlichen Dinge, bei denen nur Bufi wusste, wozu sie gut waren.
»Ihr entschuldigt mich. War nett, mit euch geplaudert zu haben. Ist mir immer wieder ein Vergnügen«, sagte Bufi und warf die weiße Türe wieder zu.
»Uns auch!«, sagte Fringel, schaute zu Yinba und hob eine Augenbraue.
Nun standen sie wieder da, die Vögel sangen, die Sonne schien, und nichts weiter passierte. Also beschlossen sie, Simeon zu besuchen.