Die bemalte Glasscheibe
Alles, was ich je erlebt, gedacht und gefühlt habe, wird auf eine riesige Glasscheibe gemalt. Und zwar nicht einfach schön nebeneinander, sondern in sich überlagernden Schichten, die gewisse Dinge unkenntlich machen, in Formen, Farben, Stimmungen auflösen; anderes wird dadurch verformt, verändert, verstärkt.
Schreiben bedeutet für mich, den Raum mit diesem riesigen Fenster zu betreten. Ich werde Zeuge, wie ein Licht durch diese Glasscheibe strahlt. Die Farben, Formen, Figuren und Szenen werden auf die gegenüberliegende Wand projiziert. Die Projektionswand ist mein Papier, auf das ich schreibe. Ich schreibe, indem ich diese projizierten Formen nachzeichne und die Farben nachmale.
Was ist das Licht, das durch diese Scheibe strahlt? Es ist das Licht der Geschichte, die da entsteht. Die Grundfrage, das Bild.
Ein ähnlicher Prozess findet in den Lesenden statt. Wenn sie lesen, begeben sie sich in ihr eigenes Lebenszimmer, und dort befindet sich ihr bemaltes Glas. Licht scheint durch das Glas, jedoch ist dieses Licht jetzt die Geschichte, die sie lesen. Es projiziert ihr Leben an die Wand, und das ist die Geschichte, die sie erleben.
Eine gute Geschichte hat eine angemessene Strahlkraft.