Inter-Face
Es gibt eine einfache Wahrheit. Immer wenn ich etwas lese, ein Foto oder ein Gemälde betrachte oder Musik höre, verbinde ich mich mit der Welt des Menschen, der es geschaffen hat. Kunst ist ein Interface, das imaginale Welten (oder verschiedene Bereiche einer imaginalen Welt) miteinander verbindet.
„Interface” klingt technisch, aber es ist ein Inter-Face, ein Zwischen-Gesicht: ein Gesicht zwischen zwei Gesichtern, das zwei Menschen, zwei Welten verbindet. (Ein Dreieck von „Personen”. Kommt uns das bekannt vor?)
Diese Interdynamik ist nicht unser Hauptaugenmerk, wenn wir uns mit Kunst beschäftigen, aber es ist das, was passiert. Ich denke, es ist nicht unser primärer Fokus, weil es das Grundlegendste ist, was ständig passiert. Nicht nur Kunst ist ein Interface, jeder Mensch ist auch ein Interface. Alles ist ein Interface. Können wir die Schönheit der Unendlichkeit darin erkennen?
Es gibt eine Ausnahme: den Output von KI. Hier wird diese grundlegendste Wahrheit einer persönlichen Interdynamik, die sich auf den ersten Blick verbirgt, sichtbar. Sobald ich merke, dass ein Text von KI geschrieben wurde – was ich normalerweise sehr schnell bemerke –, oder dass die Person auf einem Foto nicht existiert, schalte ich ab. Ich nehme an, dass ich bereits vor dem bewussten Abschalten registriere, dass hier etwas nicht stimmt, und innerlich abschalte. Es gibt einfach niemanden, mit dem ich mich verbinden kann. Niemand hat seine Weltanschauung, seine Gedanken (Gedankenwelt), sein Wissen, sein Handwerk, sein Bewusstsein, seine Anstrengungen, seine Liebe, seine Hingabe oder seine Sehnsucht in das investiert, was ich betrachte. Dieser Output ist nicht einmal leer, weil er nicht einmal ein Gefäß ist. Er ist nur eine oberflächliche 2D-Simulation.
So wird KI zu einer weiteren Chance für den Menschen, zu erkennen, was es bedeutet,
Mensch zu sein,
und wie wunderbar das ist.
– Lucas Martainn