Wie ich als Autor KI nutze

Die grundlegende Unterscheidung

Ich möch­te zu­erst grund­le­gend un­ter­schei­den. Ich nutze KI für Pro­zes­se, nicht für Be­zie­hun­gen.

Nicht für Be­zie­hun­gen be­deu­tet, dass ich ers­tens nicht eine Be­zie­hung zu einer KI auf­baue, weil ich das Ge­fühl habe, sie würde mich ver­ste­hen oder gar sich in ir­gend­ei­ner Weise darum küm­mern, was ich mit ihr be­spre­che. KI ver­steht nicht im mensch­li­chen Sinn und schert sich einen Dreck um mich, auch wenn sie mir das sprach­lich vor­gau­kelt. KI ist nicht mein Freund, sie ist ein Werk­zeug, wie eine an­de­re Funk­ti­on des Com­pu­ters auch. Wie an­de­re Funk­tio­nen auch, kann KI mich nicht beim krea­ti­ven Pro­zess un­ter­stüt­zen, weil die­ser nicht auf der Ebene eines be­stimm­ten Me­di­ums statt­fin­det. Ich kann von Hand schrei­ben, in den Com­pu­ter tip­pen (mit un­ge­fähr sechs Fin­gern) oder Sprach­no­ti­zen ma­chen – die schrei­be­ri­sche Krea­ti­vi­tät be­ginnt vor dem Me­di­um in einer Stil­le, die für KI jen­seits aller Mög­lich­kei­ten ist.

Vor allem aber ist Schrei­ben für mich Be­zie­hungs­kul­ti­va­ti­on – eine Be­zie­hung mit der Stil­le, mit dem Leben, mit Er­in­ne­run­gen, mit dem Lau­schen –, kein Pro­zess.

Daher nutze ich KI nicht fürs Schrei­ben.

Ganz ein­fach.

Skizze: KI-Welt an der Oberfläche, Zone meiner Kreativität tief unten im Eisberg
Mühsam KI-generiertes Bild

Dass ich KI für Pro­zes­se be­nut­ze, be­deu­tet nicht, dass ich sie für alle Pro­zes­se be­nut­ze, son­dern für reine Rou­ti­ne-Pro­zes­se, in wel­che keine Krea­ti­vi­tät und kein Dia­log ein­ge­bun­den sind. Das Re­sul­tat ist von An­fang an klar und vor­her­be­stimmt, und KI kann den Weg ein­fach schnel­ler gehen. Diese Pro­zes­se sind nur in­di­rekt mit mei­nem Schrei­ben ver­bun­den, trotz­dem zwei Bei­spie­le: Ich be­nut­ze KI, um in You­Tube-Fil­men ge­schrie­be­ne Worte syn­chron mit dem ge­spro­che­nen Text ein- und aus­zu­blen­den.

YouTube-Video mit eingeblendetem Text

Eine Ar­beit, die ma­nu­ell für ein paar Mi­nu­ten Film Stun­den bräuch­te und die per KI voll­au­to­ma­tisch, zu­ver­läs­sig und schnell ab­läuft.

Ich brau­che KI zum Bei­spiel auch, um Codes für diese Web­site zu schrei­ben, die ich – ob­wohl ich darin viele Jahre Er­fah­rung habe – oh­ne­hin kaum sel­ber schrei­ben könn­te, son­dern mir legal und kos­ten­los mit aus dem Netz ge­la­de­nen Bau­stei­nen zu­sam­men­set­zen würde.

KI für Recherche?

Schrift­stel­le­ri­sche Re­cher­che könn­te man auch einen Pro­zess nen­nen. Doch ei­ner­seits müss­te ich von KI ge­ne­rier­te In­for­ma­tio­nen wie­der auf Rich­tig­keit prü­fen, was also keine Zeit­er­spar­nis wäre, son­dern Po­li­zis­ten- oder Leh­rer­ar­beit, für die ich nicht im Ge­rings­ten die Mo­ti­va­ti­on habe. (Ich habe ver­suchs­wei­se die Goog­le-KI-Funk­ti­on zu Ima­gi­nal Fic­tion be­fragt. In­nert kür­zes­ter Zeit hat sie Dinge zu mir er­fun­den, bei denen ich sehr froh bin, wenn sie nie­mand für bare Münze nimmt.)

An­de­rer­seits und vor allem aber sehe ich Re­cher­che pri­mär als Teil des Be­zie­hungs­pro­zes­ses des Schrei­bens und nur in zwei­ter Linie als Sam­meln von In­for­ma­ti­on. Durch Re­cher­che baue ich eine Be­zie­hung zu etwas auf, und aus die­ser Be­zie­hung her­aus schrei­be ich dann. Hier muss ich auch sagen, dass Re­cher­che oh­ne­hin nur zu einem sehr klei­nen Teil on­line ab­läuft. Re­cher­chie­ren heißt für mich vor allem, viele Bü­cher zu lesen, mög­lichst viel zu rei­sen und mein ganz ge­wöhn­li­ches Leben mög­lichst auf­merk­sam zu leben. Denn alles, auch ein noch so un­be­deu­ten­des De­tail, eine klei­ne Geste, kann je­der­zeit un­er­war­tet wie­der in den Schreib­fluss ein­flie­ßen. Das Schrei­ben wird von Pri­mä­r­er­leb­nis­sen ge­nährt, also un­mit­tel­ba­ren, un­ver­mit­tel­ten Er­leb­nis­sen, im Ge­gen­satz zu ge­fil­ter­ten, al­go­rith­mi­sier­ten, por­tio­nier­ten Ab­bil­dun­gen von Er­leb­nis­sen; pri­mär von Welt, nicht von Welt­an­schau­ung, von Be­zie­hun­gen, nicht von In­for­ma­ti­on.

KI, um Daten zu ordnen?

Ich könn­te mir vor­stel­len, KI mit vor­han­de­nen (nach­weis­lich rich­ti­gen) Daten zu füt­tern, die sie dann nach be­stimm­ten Kri­te­ri­en oder chro­no­lo­gisch ord­nen soll, viel­leicht für eine Über­sicht über eine große Menge re­cher­chier­ten Ma­te­ri­als. Aber das habe ich noch nie ge­macht. Die Zeit­li­nie der Pionéa-Trilogie klar durch­zu­den­ken war eine Her­aus­for­de­rung, die ich zeich­nend meis­tern woll­te – und von der ich denke, dass KI sie zu­min­dest beim jet­zi­gen Stand ihrer Ent­wick­lung nicht auf die Reihe krie­gen würde. Ich könn­te sie theo­re­tisch meine No­ti­zen ord­nen las­sen – die ich zu­erst ab­fo­to­gra­fie­ren oder ein­scan­nen müss­te, Dut­zen­de von No­tiz­bü­chern, Hun­der­te von Sei­ten; wie­der: null Mo­ti­va­ti­on dafür –, etwa um die Feld­bü­cher der OULIA Edition zu­sam­men­zu­stel­len. Doch das mache ich lie­ber sel­ber, da meine No­ti­zen keine In­for­ma­tio­nen und Daten, son­dern Dia­log-Ein­la­dun­gen sind, womit ein sol­ches Ord­nen schon wie­der re­so­nant, krea­tiv und schöp­fe­risch wird.

Die unausweichliche KI

Dann gibt es aber die un­aus­weich­li­chen An­wen­dun­gen von KI. Frü­her war die Text­kor­rek­tur nicht KI-ba­siert, heute ist sie es. Ich weise aber KI nicht an, Texte um­zu­schrei­ben. (Wenn ich mal bei einem Satz in der For­mu­lie­rung wirk­lich nicht wei­ter­kom­me, kann ich KI ein sel­te­nes Mal an­wei­sen, mir zehn Al­ter­na­ti­ven zu geben. Das kann mich auf neue Ideen brin­gen.)

Ein viel­leicht wort­wört­lich an­schau­li­ches Bei­spiel für un­aus­weich­li­che An­wen­dun­gen: Frü­her habe ich auf Fo­tos­cans ana­lo­ger Fotos einen Krat­zer oder ein Stäub­chen im Fo­to­pro­gramm ma­nu­ell ohne KI ent­fernt. Heute mache ich es immer noch ma­nu­ell, auf die­sel­be Weise, doch der Pro­zess er­for­dert auf dem Rech­ner jetzt KI.

»Wenn ich eine gesprochene Notiz transkribieren lasse, habe ich meinen Roman dann mit KI geschrieben?«

Diese un­aus­weich­li­chen An­wen­dun­gen sind nur in der Art der Da­ten­ver­ar­bei­tung an­ders als frü­her. Der Pro­zess an sich bleibt für mich als An­wen­der der­sel­be. KI wird fast un­ver­meid­bar, weil sie in immer mehr Pro­gram­men mit­läuft. Wir müs­sen daher un­ter­schei­den, was man mit dem Ge­brauch von KI genau meint.

Fazit

Für jede Art von Be­zie­hung, Krea­ti­vi­tät und Dia­log möch­te ich KI nicht ver­wen­den. Ich kann sie gar nicht ver­wen­den, weil sie nicht passt, so wie ich mit einer Zange keine Wand strei­chen kann. (Der Un­ter­schied zu die­sem Bei­spiel ist na­tür­lich, dass die KI-Zange vor­gibt, ein idea­ler Pin­sel zu sein. Hier kommt die Un­ter­schei­dungs­kraft des Men­schen ins Spiel, eben genau darum, weil der KI diese Un­ter­schei­dungs­kraft fehlt bzw. sie ihr nicht ein­pro­gram­miert wird bzw. ihr ein­pro­gram­miert wird, sich als Pin­sel aus­zu­ge­ben.)

Bei Rou­ti­ne­pro­zes­sen, die durch KI ein­fach op­ti­miert wer­den kön­nen und mir mehr Zeit für Be­zie­hung, Krea­ti­vi­tät, Dia­log, Schrei­ben und Be­we­gung geben, frage ich mich zu­erst, ob es den Pro­zess bzw. das dar­aus ent­ste­hen­de Pro­dukt tat­säch­lich braucht. Wenn ja, scheue ich nicht davor zu­rück, die KI ein­zu­set­zen, so wie ich auch vor der KI be­reits auf Com­pu­tern ge­schrie­ben habe, nicht mehr auf Schreib­ma­schi­nen, weil es auf dem Com­pu­ter viel ein­fa­cher ist, eine Ar­beit zu über­ar­bei­ten. (Wobei, das soll hier auch ge­sagt wer­den: Ich schrei­be sehr viel zu­erst von Hand.) Ich schrei­be auf einem Com­pu­ter, den ich nur fürs Schrei­ben nutze und der nur eine In­ter­net­ver­bin­dung hat, damit ich be­quem Back­ups ab­spei­chern und auf No­ti­zen zu­grei­fen kann, die ich durch den Tag un­ter­wegs und in den un­pas­sends­ten Si­tua­tio­nen auf mei­nem por­ta­blen Gerät ge­macht habe – und das nur, wenn ich mein Pa­pier-No­tiz­buch ver­ges­sen habe. No­ti­zen, die ich viel­leicht als Sprach­no­ti­zen auf dem Fahr­rad ein­ge­spro­chen habe und dann als tran­skri­bier­ten Text wei­ter­ver­wen­de. Ojeh, in die­sem Zwi­schen­schritt war viel­leicht KI im Spiel!

Schreib­hil­fe­pro­gram­me für die Ent­wick­lung von Plots, Fi­gu­ren, Fi­gu­ren­be­zie­hun­gen und Er­zähl­strän­gen, mit oder ohne KI, habe ich nie ge­nutzt, aus dem­sel­ben Grund wie be­reits an­ge­führt: Mein krea­ti­ver Pro­zess läuft durch die Ver­sen­kung, dar­aus ent­steht alles.

Ich ver­teuf­le also nicht, ich dif­fe­ren­zie­re und gebe meine ei­ge­ne In­tel­li­genz nicht ab. Dann kann KI ein prak­ti­sches, aber ei­gent­lich immer noch sehr be­schränk­tes Werk­zeug sein.

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